Akzent-/Beistellpflanzen
Ein bei uns in
Europa weitgehend vernachlässigtes bzw. am Anfang stehendes Thema ist
die Kultivierung und Präsentation von Akzent-/Beistellpflanzen
(japanisch: SHITAKUSA; gesprochen „schtaksa“).
In der
traditionellen Bonsai-Präsentation (TOKONOMA), wo Himmel,
Erde und Mensch symbolisiert werden, stellt
-
das Rollbild den Himmel (oder das geistige Ziel)
-
die Beistellpflanze die Erde
-
und der Bonsai den Menschen (oder die Harmonie zw. Himmel und
Erde
dar.
Tokonoma mit Lärche auf
der SAKKA TEN 2002
Die
Beistellpflanze sollte so angeordnet werden, dass der Bonsai mehr oder
weniger betont wird. - Von oben betrachtet wird ein eher dominanter
Bonsai von einer im Vordergrund stehenden Pflanze weniger betont.
- Wird die Beistellpflanze eher in den Hintergrund gerückt, betont
sie, wenn dies erforderlich ist, den Bonsai.
Tische sind für Beistellpflanzen
nur dann zulässig, wenn der Bonsai selbst auf einem hohen Tisch präsentiert
wird, Gräser werden auf flache Holzscheiben gestellt.
Bei der Präsentation von Bonsai
verleiht die Beistellpflanze die Atmosphäre der Jahreszeit sowie
Harmonie und Gleichgewicht.
Akzentpflanzen repräsentieren die
verschiedenen Jahreszeiten durch auffällige Blattfärbungen, Blüten,
Samenstände, Früchte, Herbstfärbung usw.
Bonsai und Beistellpflanze dürfen
kein gleiches Laub oder gleiche Blüten und Früchte haben.
Fruchttragende und blühende Bonsai sollen mit ruhigen Beistellpflanzen
kombiniert werden. Laubbäume werden mit blühenden
und fruchtenden Beistellpflanzen präsentiert.
Aber Beistellpflanzen stellen noch
viel mehr dar, sie setzen auch Akzente bei der Bonsai-Präsentation im
Garten und können für den Pflanzensammler und –liebhaber zur
Leidenschaft werden.
Verwendet werden können einerseits
Wildformen von Stauden und Gräsern, die man in der Natur (natürlich
unter Bedachtnahme auf Naturschutzgesetze und nur mit Bewilligung der
Grundeigentümer!) sammeln kann. Andererseits finden auch
interessante Kulturformen aus Stauden-Gärtnereien immer mehr
Verwendung. – Jeder Bonsai- und Pflanzenfreund kann dabei seiner
Phantasie freien Lauf lassen!
Beim Arrangieren von mehreren
verschiedenen Pflanzen ist womöglich darauf zu achten, dass sie am
gleichen Standort wachsen, also gleicher Herkunft sind.
Für die Pflanzung werden
individuelle Keramikgefäße mit verschiedenen Formen, Oberflächengestaltungen
und unterschiedlichsten Glasuren verwendet. Als Töpfer sind u.a. Dan
Barton (GB), Peter Krebs (D), Horst Heinzlreiter (AUT), Silvia Weber
(D), Ingrid Kralovec (AUT) ..... zu nennen.
Die Wahl der Schale ist jedoch von untergeordneter Bedeutung, sie sollte
aber eher flach und unauffällig sein. Auch Untersetzer, Teller,
Dachziegel, flache Steine, Wurzeln oder Holzstücke können Verwendung
finden.Die Möglichkeit,
Beistellpflanzen ohne Schalen auszustellen ist nur bei sehr gereiften
Pflanzen, bei denen das Moos bis ganz nach unten gewachsen ist, zulässig.
– Diese Art heißt NE ARAI.
Als Substrat verwendet man am
besten humose, torfige Erde (z.B. eine Mischung aus Torfsubstrat +
Akadama), wichtig ist eine ausreichende Drainage in den Töpfen. Beistellpflanzen sollte man regelmäßig
gießen, gelegentlich besprühen und nur wenig organisch düngen (um zu
ungezügeltes Wachstum zu verhindern).
Umgetopft wird jährlich im Frühling
mit Wurzelschnitt und Entfernen aller abgestorbenen Pflanzenteile.
Beistellpflanzen zeigen, wie Bonsai, erst nach Jahren der richtigen
Pflege Charakter und Reife, erst dann sollten sie auf Ausstellungen präsentiert
werden.
Abschließend
möchte ich mich noch bei Hans Kastner bedanken. – Er hat mir mit
einigen Informationen von einem diesbezüglichen Workshop mit Hideo
Suzuki sehr beim Verfassen dieses
Berichtes geholfen.
Ähnliche von mir verfasste Artikel über Akzentpflanzen sind
bereits im "BONSAI"-Magazin des Bonsaiclub Deutschland, im
Schweizer Bonsaimagazin "Natur&Mensch", im amerikanischen
TBE-Internet-Journal und im amerikanischen Bonsaimagazin "Bonsai
today" erschienen. |